Wie sich eine Marke entwickelt – am Beispiel von Wilke
KI nimmt Ihnen das Schreiben nicht ab. Aber sie verführt dazu, es zu glauben. Die besten Tools, Prompts und Kniffe, um der Verführung zu widerstehen und das Beste aus der Maschine herauszuholen.
KI als Werkzeug
Für ein Unternehmensporträt besuchte ich vor vielen Jahren eine kleine Tischlerei. Der Junior-Chef führte mir die neue CNC-Fräse vor – computergesteuert, hohes Tempo, präzise Fräsungen. Der Senior kam dazu: „Und das in unserem Betrieb!“ Seine Berufsehre hing nicht am Handhobel. Er sah die Chance, dank der neuen Technologie individuelle Maßanfertigungen schneller und effizienter herzustellen.
Auch KI ist ein Werkzeug. Richtig eingesetzt erlaubt sie Individualität, Kreativität und Effizienz.
Doch der Wandel ist nicht einfach, weder in Werkstätten noch auf Bürofluren. Oft prallen da Welten aufeinander: Die einen boykottieren Neuerungen aus Prinzip, die anderen opfern im Digitalisierungsrausch eine eigene Haltung und Qualitätsmaßstäbe. Im Journalismus wird das besonders riskant. Denn gerade weil die Maschine sehr schnell sehr viel Text produzieren kann, braucht es solide Expertise, um sie zu steuern und die Ergebnisse zu beurteilen. Sonst geht am Ende nicht nur handwerkliche Qualität, sondern auch Glaubwürdigkeit verloren.
Was ist KI überhaupt?
Genau genommen geht es hier um LLM – Large Language Models, also große Sprachmodelle. Large, weil sie riesige Datenmengen nutzen. Language, weil sie auf menschlicher Sprache trainiert wurden und Sprache verarbeiten. Models, weil sie Muster erkennen und zu neuen Mustern kombinieren. Beispiele für LLMs sind ChatGPT, Claude und Le Chat. Im Sprachgebrauch hat sich für diese Modelle „KI“ durchgesetzt.
Wie KI wirklich funktioniert – und was sie nicht kann
Eine KI arbeitet grundlegend anders als ein menschliches Gehirn. Sie denkt nicht, sie versteht nicht, und sie weiß auch nicht, dass sie nicht versteht. Was sie tut: Sie berechnet, welche Wörter und Sätze in einem bestimmten Kontext am wahrscheinlichsten passen, auf der Basis von Milliarden von Textmustern, die sie beim Training gesehen hat. Die KI erkennt Muster – und zwar immer, auch wenn sie völlig im Dunkeln tappt. Was die Datenlage nicht hergibt, wird halluziniert.
Ob Halluzination oder nicht: Das Ergebnis wirkt oft verblüffend kompetent. Dahinter steckt kein Begreifen, kein Abwägen, kein Urteil. Die KI hat nur eine sehr gute Vorstellung davon, wie eine plausible Antwort klingen sollte.
Wer mit KI arbeitet und das nicht verinnerlicht hat, vertraut einer Maschine, die immer antwortet, immer hilfreich klingt und dabei keine Sekunde zögert, auch wenn sie falsch liegt.
Dazu kommt ein anderes wesentliches Merkmal: KI imitiert menschliche Kommunikation. Sie antwortet, als würde sie uns verstehen. Sie stellt Rückfragen, entschuldigt sich, passt ihren Ton an. Weil sie so tut, als sei sie ein Mensch, fällt es uns leichter, mit ihr zu arbeiten – Anweisungen zu erteilen, zu korrigieren, nachzuhaken.
Nutzen Sie das aus. Sie können ganz normal mit ihr reden, auch umgangssprachlich. „Das ist völliger Murks, lass die Lobhudelei endlich“ kann genau die Anweisung sein, die die Maschine braucht, um ein Ergebnis in Ihrem Sinne zu korrigieren. Aber vergessen Sie nicht: Diese vorgespiegelte Menschlichkeit ist nur eine Bedienoberfläche.
Welche Tools gibt es?
Da die großen Sprachmodelle zurzeit um Märkte ringen, kann man fast alles gratis ausprobieren, zum Teil auch ohne Anmeldung und im Inkognito-Modus. Einfach in der Suchmaschine den Namen eingeben und ausprobieren. Die Ergebnisse kann man herauskopieren und in ein Word-Dokument oder eine Mail einsetzen. Alle diese Tools halluzinieren, erfinden also Antworten, die plausibel klingen, aber schlicht falsch sind. Es gibt jedoch Unterschiede im Ausmaß.
Ein Überblick über die wichtigsten Tools zum Texten:ChatGPT – Der Alleskönner. Mit Abstand das bekannteste und meistgenutzte KI-Tool weltweit. Gut für kreative Aufgaben, kurze Texte, Social Media, Brainstorming. Vorsicht: halluziniert gerne. Von OpenAI. Kostenlos nutzbar, Plus-Abo: ca. 20 €/Monat.
Claude – Stärker bei komplexeren Aufgaben und längeren Texten. Gilt als zuverlässiger und halluziniert weniger als ChatGPT – dafür weniger kreativ und nüchterner im Ton. Von Anthropic. Kostenlos nutzbar, Pro-Abo: ca. 20 €/Monat.
Le Chat (Mistral) – Das europäische Gegenmodell. Vom französischen Startup Mistral AI, gegründet 2023 in Paris. Datenschutzfreundlich, DSGVO-konform, Server in der EU. Besonders stark bei französischen und deutschen Texten. Wer Wert auf europäische Datensouveränität legt, ist hier richtig. Kostenlos nutzbar, Pro-Abo: ca. 15 €/Monat.
Perplexity – Erste Wahl für Recherchen. Durchsucht das Web in Echtzeit und liefert Antworten mit Quellenangaben – das macht es zur verlässlichsten Option für aktuelle Informationen. Kostenlos nutzbar, Pro-Abo: ca. 20 €/Monat.
Gemini – Googles KI, eng verzahnt mit Google Workspace (Gmail, Docs, Drive). Starke Wahl für alle, die im Google-Ökosystem arbeiten. Kostenlos nutzbar, Pro-Abo: ca. 20 €/Monat.
Microsoft Copilot – KI direkt in Word, Outlook und Teams integriert. Wer ohnehin in der Microsoft-Welt arbeitet, findet hier den kürzesten Weg zum KI-unterstützten Schreiben. Im Microsoft-365-Abo enthalten bzw. als Add-on.
Apple Intelligence – Apples KI-Assistent, direkt in macOS und iOS eingebaut. Text markieren, rechte Maustaste – fertig. Praktisch für schnelles Umschreiben oder Korrigieren zwischendurch. Kein vollwertiges LLM, aber einen Versuch wert. Kostenlos ab iPhone 15 Pro bzw. Apple-Silicon-Mac.
WSKI (Wolf-Schneider-KI) – Spezialtool der Reporterfabrik zur Textoptimierung. Basiert auf den Schreibregeln von Wolf Schneider und dem GPT-Modell von OpenAI. Redigiert Texte auf Verständlichkeit, Klarheit und Prägnanz – wie ein strenger Lektor. Kein Abo, Zeichenpakete als Einmalkauf.
Der Schreibprozess: denken, prompten, prüfen, entscheiden
Wie entsteht ein guter Text? Nicht von selbst – auch wenn KI das suggerieren mag. Wenn Kopf und KI zusammenkommen sollen, muss der Schreibprozess gut strukturiert sein.
Denken lohnt sich, und zwar ganz am Anfang. Was will ich sagen, was ist meine Haltung, welches zentrale Bild kommt mir in den Kopf? Erst Hirn an, dann Mund auf. Dieser Spruch lässt sich wunderbar auf KI-generierte Texte übertragen: Wer die Maschine einfach losplappern lässt, kann nie sicher sein, was dabei herauskommt. Ich persönlich nutze zum Denken gerne Papier und Bleistift.
Prompten. Schritt für Schritt, wie unten beschrieben.
Prüfen, meckern, präzisieren. Der erste Textentwurf sieht immer aus wie ein fertiger Text. Doch Achtung: Stimmt das, was da steht? Hat die Maschine halluziniert, meine Prioritäten verschoben? Passt der Sprachstil? Fühlt sich das noch wie meins an?
Überarbeitung. Zunächst Grundlegendes zu Stil, Länge, Struktur. Dann inhaltliche und sprachliche Feinheiten, am besten Absatz für Absatz. Zum Faktencheck empfiehlt sich Perplexity. Wer es ganz genau nimmt, kann dann noch WSKI den Text zur Analyse vorlegen.
Entscheiden. Was Sie letztlich veröffentlichen, liegt immer bei Ihnen. Ich kenne beides: einen KI-Entwurf, den ich nur etwas nachbessern musste. Und Fälle, in denen ich trotz umfangreicher Prompts und Korrekturen alles verworfen und den Text selbst geschrieben habe. Das sollten Sie sich nie nehmen lassen: Ihr Bauchgefühl, Ihre Empathie, Ihre Haltung.
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